Der Klimapfad Massivumformung: Von der Branchenvision zur konkreten Umsetzung
Ohne Stahl sind Mobilität, Maschinenbau, Energieversorgung und viele weitere Schlüsselbereiche der Industrie undenkbar. Ohne Schmiedeteile sind viele besonders anspruchsvolle Aufgaben unmöglich. Die Stahl- und Schmiedeindustrie bildet eine wichtige Grundlage der industriellen Wertschöpfung in Deutschland. Gleichzeitig ist sowohl die Herstellung des Vormaterials als auch die Verarbeitung in der Schmiede sehr energieintensiv. Die Branche muss deshalb ihren CO₂-Fußabdruck deutlich reduzieren und zugleich leistungs- und wettbewerbsfähig bleiben. Orientierung bietet der Klimapfad Massivumformung.
Was ist der Klimapfad Massivumformung?
Grundlage ist die im Innovationsnetzwerk EMMA entwickelte Vision einer emissionsneutralen Massivumformung. Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz geförderte Netzwerk vereint 27 Partner aus der Industrie sowie 18 Partner aus Wissenschaft und Forschung. Eine Studie der fka GmbH zeigt in verschiedenen Szenarien, wie sich der produktbezogene CO₂-Fußabdruck – der sogenannte Product Carbon Footprint – von Schmiedeprodukten bis 2045 senken lässt. Dabei werden sowohl Maßnahmen in den Unternehmen als auch externe Faktoren wie CO₂-reduzierte Vormaterialien, der Ausbau erneuerbarer Energien und die Verfügbarkeit emissionsarmer Energieträger berücksichtigt. Der Klimapfad bietet somit Orientierung, ohne einen starren Maßnahmenkatalog vorzugeben.
Sechs Innovationsfelder für die Transformation
Der Klimapfad bündelt die möglichen Ansätze in sechs Innovationsfeldern. Entscheidend ist ihr Zusammenspiel.
- CO₂-ärmere Werkstoffe: CO₂-reduzierter Stahl, Sekundärmaterialien und neue Werkstoffkonzepte können den Fußabdruck der eingesetzten Vormaterialien deutlich senken.
- Emissionsarme Energieträger: Erneuerbarer Strom, Biogas oder perspektivisch Wasserstoff sollen fossile Energieträger vor allem bei Erwärmungs- und Wärmebehandlungsprozessen ersetzen.
- Höhere Energieeffizienz: Moderne Anlagen, optimierte Abläufe und die Nutzung vorhandener Prozesswärme verringern den Energiebedarf.
- Höhere Materialeffizienz: Weniger Grat, geringere Bearbeitungszugaben und gewichtsoptimierte Bauteile reduzieren den Verbrauch von Material und Energie.
- Kürzere Prozessketten: Werden Fertigungsschritte kombiniert oder vermieden, lassen sich Bearbeitungszeit, Energiebedarf und Emissionen senken.
- Digitalisierung und KI: Vernetzte Anlagen, Simulationen und datenbasierte Steuerungen helfen, Prozesse zu stabilisieren und Material sowie Energie gezielter einzusetzen.
Viele der im Klimapfad genannten Ansätze setzen wir bereits um. Dazu gehören die Nutzung von Ökostrom und eigener Photovoltaik, der Einsatz von CO₂-reduzierten Werkstoffalternativen, die Nutzung von Schmiedewärme durch Controlled Cooling, Wärmerückgewinnung und die Rückführung von Stahlschrott in den Materialkreislauf. Gleichzeitig arbeiten wir kontinuierlich daran, unsere Anlagen und Produktionsabläufe energie- und materialeffizienter zu gestalten. Insgesamt konnten wir unsere Emissionen in den Bereichen Scope 1 und Scope 2 seit 2018 um mehr als 90 Prozent reduzieren.
Die gesamte Wertschöpfungskette ist gefordert
Der Klimapfad zeigt, dass eine emissionsarme Massivumformung technisch möglich ist – allerdings nicht durch eine einzelne Maßnahme. Die Branche benötigt ausreichend erneuerbare Energie, leistungsfähige Netze und CO₂-reduzierte Vormaterialien zu wettbewerbsfähigen Preisen. Neue Werkstoffe und Verfahren können zudem nur gemeinsam mit Kunden, Lieferanten und Forschungspartnern entwickelt, geprüft und in die Serienproduktion überführt werden.
„Vom Stahlhersteller über Energieversorger bis zur Politik müssen wir gemeinsam Lösungen finden und in die industrielle Praxis bringen. Viele Schritte haben wir bei NEUMAYER bereits eingeleitet. Diesen Weg werden wir konsequent weitergehen“, bekräftigt Geschäftsführer Dirk A. Neumayer, der sich als Vorstandsmitglied im Industrieverband Massivumformung engagiert.