Ein Leben für das Schmiedehandwerk: Thomas Olberts blickt zurück
Wenn Thomas Olberts von seinem Einstieg bei NEUMAYER erzählt, dann beginnt seine Geschichte mit einer Situation, die heute kaum noch vorstellbar ist. Nach dem Wehrdienst und einer Lehre bei der Hausacher Firma E. Hengstler (heute Hengstler Zylinder GmbH), wurde sein Arbeitgeber von einem amerikanischen Unternehmen gekauft. Deshalb war Olberts durchaus offen für Neues. Josef Keller, der Personalchef von NEUMAYER, kam auf ihn zu und fragte, ob er Interesse an einem Wechsel habe. Und so stellte sich Thomas Olberts am nächsten Tag bei NEUMAYER vor. Es folgte kein langer Prozess, kein formales Auswahlverfahren. Stattdessen fiel die Entscheidung direkt. „Josef Keller sagte zu mir: ‚Thomas, bleib doch gleich da.‘“ Und Olberts blieb fast 43 Jahre. Er beendete seinen ersten Arbeitstag eine halbe Stunde früher als üblich, um bei seinem bisherigen Arbeitgeber zu kündigen. Am nächsten Morgen begann seine Karriere bei NEUMAYER.
Zunächst führte ihn sein Weg in die Dreherei und Montage. Doch schon bald zeigte sich, dass dies nicht das Ende seines Weges sein würde. Er wechselte in den Werkzeugbau und erlernte das Handwerk von Grund auf – unter Bedingungen, die sich deutlich von den heutigen unterscheiden. Damals wurden Werkzeuge nicht auf Basis einer Werkzeugzeichnung entwickelt, sondern das spätere Bauteil war der Ausgangspunkt. Aus dessen Geometrie musste das Werkzeug abgeleitet werden. „Man musste ordentlich umdenken“, beschreibt er diese Zeit.
In den folgenden Jahren erfuhr die Schmiede eine grundlegende Veränderung. Mit der Einführung der ersten vollautomatischen Pressen in den 1990er-Jahren begann eine neue Phase. Olberts war von Anfang an in den Aufbau der Anlagen, die Auslegung der Werkzeuge und das Anfahren der Produktion eingebunden. Die Arbeit wurde komplexer und die Abläufe strukturierter. Prozesse mussten aufeinander abgestimmt, Stadienfolgen definiert und Werkzeuge kontinuierlich angepasst werden. Es ging nicht mehr nur um einzelne Arbeitsschritte, sondern um das Zusammenspiel vieler Faktoren.
Parallel dazu bildete er sich weiter. Nach Feierabend besuchte er die Abendschule, wo er seine Meisterausbildung absolvierte. Dies war eine Zeit, die viel Einsatz von ihm verlangte, sich aber auszahlen sollte. Ein Moment ist Olberts bis heute besonders präsent. Der damalige Geschäftsführer Albert Neumayer bat ihn, ihm das Ergebnis der mündlichen Meisterprüfung direkt per SMS zu senden. „Ich habe bestanden“, lautete dann auch die gute Nachricht. Am nächsten Tag wurde Olberts ins Büro des Geschäftsführers gerufen. Kurz darauf übernahm er neue Aufgaben, zunächst in einem interdisziplinären Team, später in leitender Funktion. Sein Verantwortungsbereich wuchs schnell und umfasste Schmiede, Werkzeugbau, Wärmebehandlung und Zuschnitt.
Gleichzeitig liefen weitere große Projekte. Es wurden neue Pressen aufgebaut, Anlagen erweitert und Prozesse neu definiert. Der Aufbau und das Hochfahren dieser Anlagen zählen zu den prägendsten Erfahrungen in Olberts Laufbahn. Es waren intensive Phasen: technisch anspruchsvoll, zeitlich fordernd und mit viel Verantwortung verbunden. „Wenn alles geklappt hat, war man schon sehr glücklich“, sagt er rückblickend.
Mit der Zeit verlagerte sich sein Fokus. Als Produktionsleiter war es seine Aufgabe, den Überblick zu behalten. Dazu gehörten Personaleinteilung, Vorausplanung, Dokumentation und Abstimmung. Welche Teile laufen wann? Sind die Werkzeuge vorbereitet? Sind die Messmittel vorhanden? Sind die Teams richtig eingeteilt? Viele Schritte griffen ineinander, und nur wenn alles vorbereitet war, funktionierte die Produktion zuverlässig. „In der Schmiede muss man das Produkt stark begleiten“, beschreibt er diese Verantwortung. Dabei wurde ihm immer klarer, dass eine gute Schmiede nicht allein von Technik lebt. Entscheidend ist das Zusammenspiel der Menschen: dass Teams funktionieren, dass Abläufe aufeinander abgestimmt sind und dass die Mitarbeitenden miteinander kommunizieren.
Wenn er heute zurückblickt, sagt er: „Am meisten stolz macht mich mein Werdegang. Ich habe ganz unten angefangen und mich hochgearbeitet. Ich habe viele tolle Erfahrungen gemacht, war bei Kunden und auch im Ausland.“ Sein Weg war geprägt von Veränderungen, neuen Technologien und immer neuen Aufgaben. Die Arbeit in der Schmiede ist anspruchsvoll und abwechslungsreich. Sie bietet sowohl fachliche als auch persönliche Entwicklungsmöglichkeiten. „Es ist ein toller Beruf“, sagt Olberts. Nach mehr als vier Jahrzehnten fällt sein Fazit eindeutig aus. Herausforderungen gab es viele, Zweifel auch. Doch seine Entscheidung hat er nie bereut. „Ich würde nichts anders machen.“
Mit dem Abschied von Thomas Olberts endet ein langes Kapitel bei Neumayer, das von Erfahrung, Engagement und der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, geprägt war. Fast 43 Jahre hat er die Entwicklung der Schmiede begleitet, Veränderungen mitgestaltet und sein Wissen an viele Kolleginnen und Kollegen weitergegeben. Wir danken ihm für seinen Einsatz und seine Verbundenheit zum Unternehmen. Wir wünschen ihm für den neuen Lebensabschnitt alles Gute, Gesundheit und Zeit für die Dinge, die bisher zu kurz gekommen sind.