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8. Mai 2023

Neumayer schmiedet Zukunft

Bei Besuchen aus der SPD formuliert Dirk Neumayer die hohen Ziele für die Firma Richard Neumayer:
Bis 2027 die Hälfte der Energie selbst zu produzieren und Klimaneutralität bis 2039.

von Claudia Ramsteiner

Hausach. Die Richard Neumayer Gesellschaft für Umformtechnik hat enorm in Nachhaltigkeit und Energieersparnis investiert und verwendet bereits 100 Prozent erneuerbare Energien – für eine Schmiede außergewöhnlich. Geschäftsführer Dirk Neumayer hat darüber hinaus klare Ziele: Bis 2027 will er die Hälfte dieser erneuerbaren Energien mit Wind und Solar selbst erzeugen („nur so gibt es einen Zubau“), und bis 2039 soll die Firma Neumayer ganz klimaneutral arbeiten. Sehr große Zustimmung erntete er damit bei seinen Besuchern: Zu Gast waren die Bundestagsabgeordnete Derya- Türk-Nachbaur (SPD) sowie Fraktions- und Vorstandsmitglieder der Hausacher SPD und einige Tage zuvor bereits der SPD-Oppositionsführer im Land Andreas Stoch. Gerade als Schmiede mit einem enorm großen Energiebedarf „haben wir einen unglaublich großen Hebel, um für den Klimaschutz etwas zu tun“, sagte Dirk Neumayer. Dass inzwischen auch die Kunden sehr auf den ökologischen Fußabdruck ihrer Lieferanten achten und die Neuaufträge von nachhaltiger Produktion abhängig machen, spielt der Firma und vor allem dem Klima in die Karten. Das Schlüsseljahr war 2017, als VW sich zur E-Mobilität entschied. „Gehen wir mit?“ sei damals eine schwierige Frage gewesen. Neumayer ging mit, investierte viele Millionen Euro in neue Produktlinien und profitiert nun davon, dass man in Hausach immer (noch) einen Tick weiter ist als die Mitbewerber. Er solle dringend mal die FDP einladen, sagte Gemeinderat Bernhard Kohmann süffisant, als Mit-Geschäftsführer Thomas Armbruster die Umsatzverschiebungen darlegte. Ein Drittel des Umsatzes machen bereits jetzt die E-Mobilität und transformationsunabhängige Produkte aus, das Umsatzdrittel Pkw-Verbrenner werde man in den nächsten acht bis zehn Jahren verlieren, bei den Lkw gehe es noch etwas länger. Aber es sei abzusehen, „dass wir die zwei Drittel irgendwie reinholen müssen“, so Armbruster. Der Antriebsstrang für E-Autos besteht aus einem Bruchteil der Getriebeteile, die ein Verbrenner benötigt. „Es sind vor allem viele kleine Schmiedeteile, die wegfallen, wir machen große“, sieht er hier Neumayer noch im Vorteil. Bei einem Rundgang durch das Unternehmen zeigten die Geschäftsführer ihren Gästen die vielen Neuerungen. Gerade werden wieder rund zehn Millionen Euro in eine neue Halle inklusive Maschinen und in ein Hochteillager investiert. „Investitionen, die den Standort Hausach für die nächsten 25 Jahre sichern“, so Neumayer. Ihm sei es wichtig, dass „das, was die 420 Mitarbeiter hier in Hausach erwirtschaften, auch hier bleibt“. Klar formulierte Neumayer am Schluss seine Wünsche an die Politik: Die EU schütze Stahlwerke durch Einfuhrzölle – die aber nur für den Stahl, nicht für die Schmiedeteile gelten. So komme „schmutziger Stahl schmutzig geschmiedet“ immer noch billig in die EU. Das sei eine Riesengefahr für die verarbeitende Industrie in Europa. Dringend richtete er einen Appell an die Regierungspartei, schnellstmöglich den Strompreis für energieintensive Unternehmen zu deckeln, bis das Marktdesign endlich korrigiert sei. „Wenn Lindner fragt, wie er das finanzieren soll, fragen Sie ihn, wie viel Steuern er durch die Übergewinne einnimmt!“ Dirk Neumayer schilderte die „dramatische Gefahr“, als seine Firma im vergangenen Jahr mehr als acht Millionen zusätzliche Stromkosten zu stemmen hatte, „7,5 Millionen davon Übergewinne durch den Merit-Order- Marktmechanismus“. Die Strompreise seien völlig abgekoppelt von den Stromkosten. Derya Türk-Nachbaur zeigte sich beeindruckt, wie der Klimaschutz bei Neumayer gelebt wird. Auch bei anderen Firmenbesuchen habe sie bereits den Eindruck gewonnen, „dass die Wirtschaft in ihren Bemühungen um den Klimaschutz weiter ist als die Politik“.

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